Bischof Heinrich Timmerevers zu Besuch in der VG

Der gemeinsame Weg zur Pfarrei neuen Typus

Die Zeit unseres Bischofs Heinrich Timmerevers an diesem 11.02.2017 gehörte ganz unserer Ver­antwortungsgemeinschaft (VG), d.h. den Gemeinden Herz-Jesu/Jo­hannstadt, Mariä Himmelfahrt/Striesen und Heilige Familie/Zschachwitz. Das Anliegen seiner Erkundungstour durch das Bistum ist es, nach und nach alle VGs kennenzulernen. Dazu traf Bischof Heinrich sich mit den Priestern, Gemeindereferentinnen und den Pfarrgemeinderäten der drei Gemeinden, und er besuchte das Kinderhaus Arche Noah, wo es zu einem regen Gedankenaustausch mit allen Vertretern der 17 Kirchlichen Orte unserer VG kam.

Am Nachmittag feierte er dann in unserer Pfarrkirche mit Mitgliedern aller drei Gemeinden die Heilige Eucharistie. In seiner Predigt nannte der Bischof drei Schriftstellen, die sein Leben entscheidend geprägt haben: „Denjenigen gereicht alles zum Besten, die Gott lieben“, verleiht Sicherheit gegenüber allen Widernissen des Lebens. „Du legst mir größere Freude ins Herz als andere haben Korn und Wein in Fülle“, birgt die Gewissheit, dass Gott Glück schenkt. Und sein Wahlspruch: „Suchet, wo Christus ist“ befähigt uns, in jedem Mitmenschen Christus zu sehen. Christus kommt uns entgegen, man weiß sich getragen und gehalten von Gott. Außerdem nahm Bischof Heinrich Bezug auf das eben gehörte Evangelium von der Brotvermehrung: Die Jünger gaben ihre fünf Brote und zwei Fische hin, und mit Jesu Hilfe wurden alle satt. Das soll uns Ansporn sein bei den Herausforderungen unserer Zeit: Wenn wir uns aktiv einbringen, können wir darauf vertrauen, dass Gott unser Tun zum Erfolg führt.

Das sich anschließende Plenargespräch eröffnete Pfarrer Gehrke mit einigen Hintergrundinformationen. Seit 2015 wissen wir um unsere gemeinsame Zukunft in dieser VG. Die sieben Bibelworte, die wir in den letzten Wochen betrachtet haben, sollten unsere Wahrnehmung sensibilisieren. Wo sind wir beheimatet? Erleben wir bereits die Vielfalt des Kircheseins? Erkennen wir unsere Verantwortung? Was für einen Auftrag hat Gott für uns?

Danach beantwortete Bischof Heinrich unsere Fragen:

Ab Advent 2017 bis zum Sommer 2020 wird die Umstrukturierung vollzogen. Die 34 VG unseres Bistums werden dann Pfarreien mit jeweils gemeinsamer Verwaltung und je einem Seelsorgeteam sein. Unter dem Dach einer Pfarrei befinden sich zukünftig mehrere unserer jetzigen Gemeinden, der begriffliche Einklang „Pfarrei gleich Gemeinde“ wird aufgelöst. Unsere neue Dach-Pfarrei wird eine Körperschaft des Öffentlichen Rechts für alle ihre Gemeinden sein. Die Pfarrei bekommt einen neuen Namen, den wir gemeinsam finden werden, und wird feierlich mit einer Bischofsmesse gegründet. Die Ortsgemeinden behalten ihre Namen.

Nach jetziger Planung wird die Pfarrei zwei Priester und eine Gemeindereferentin erhalten. Dem leitenden Priester wird ein Verwaltungsassistent zur Seite stehen, der innerhalb einer halben Stelle die Pfarrei verwaltet. In den Ortsgemeinden werden Ortsgemeinderäte gewählt, deren Vertreter dann voraussichtlich den gemeinsamen Pfarreirat bilden. Die Kirchlichen Orte sollen im Pfarreirat vertreten sein, die Mehrheit der gewählten Gemeindevertreter muss jedoch gewährleistet sein. Exakte Festlegungen dazu werden noch ausgearbeitet. Die neuen Räte werden erstmals nach vollzogener Umstrukturierung 2020 gewählt werden. Zwischen dem Amtszeitende der jetzigen Pfarrgemeinderäte 2018 und der Neuwahl wird es eine Übergangsregelung geben.

Um den Glauben leben und alle anstehenden Aufgaben bewältigen zu können, ist das erklärte Ziel: Soviel wie möglich in den Ortsgemeinden, soviel wie nötig übergreifend in den Pfarreien tun. Das bedeutet, Vieles wird bestehen bleiben. So soll es weiterhin sonntags in jeder Ortsgemeinde Gottesdienste geben. Innerhalb unserer Ortsgemeinde werden wir so die Stärkung zum Zeugnis inmitten der Welt, zum Dienst am Nächsten und vor allem die gewohnte christliche Gemeinschaft erfahren.

Alles andere darf sich verändern und muss sich an dem orientieren, was wir zu leisten imstande sind. Bischof Heinrich brachte ein schönes Beispiel: Der Apostel Andreas führte Petrus erstmals zu Jesus. Alles Weitere lag dann in den Händen Jesu. Jesus, nicht Andreas, berief Petrus zur Nachfolge. So wird er auch uns führen. Wir müssen Gott einfach machen lassen und selbst ohne Zögern weitergehen.

Priester und Laien sind als Kirche Gottes Werkzeug in den Händen Gottes. Zum Priesterdienst gehört die Spendung der Sakramente. Papst Franziskus sagte einmal, der Hirte geht manchmal der Herde voran und weist den Weg, manchmal ist er mittendrin und manchmal hält er die Herde von hinten zusammen. Aber immer fördert er die Gemeinschaft.

Die Laien werden zukünftig stärker im Ehrenamt Aufgaben übernehmen müssen, weil sowohl das verfügbare Personal als auch die Finanzen eine Personalaufstockung nicht erlauben. Dazu sind die Laien durch Taufe und Firmung befähigt worden. Gemeinsam müssen wir hier – in unserem Lebensumfeld, d.h. in der Stadt Dresden – Zeugnis von Christus ablegen. Bischof Heinrich wiederholte ganz einfach die Worte Jesu Christi: „Ihr seid das Salz, … das Licht für die Welt.“ Dabei zeigte er symbolisch die Kerze unserer VG mit den drei Logos unserer Gemeinden und wies darauf hin: je mehr die Kerze herabbrennt, umso mehr werden die drei unten angebrachten Logos leuchten, je enger unsere Gemeinden zusammenwachsen, um so mehr wird der Reichtum unserer drei Gemeinden in die Welt leuchten. Wichtig ist nur, jeden Tag neu alle unsere Möglichkeiten auszuschöpfen, jeden Tag neu Kirche zu bauen.

Der Tag endete mit gemeinsamem Gebet und einem Lied sowie dem bischöflichem Segen. Am 18.3. findet dann das nächste Gesamttreffen der Verantwortungsgemeinschaft statt, d.h., Vertreter der drei Gemeinden und der Kirchlichen Orte werden zusammentragen, was uns im Hören auf Gottes Wort über den Winter wichtig geworden ist.

Abschließend möchte ich im Namen aller Dank sagen, insbesondere unserem Chor, der viel zu der würdigen Messfeier beigetragen hat und den Musikerinnen Frau Ehrhardt (Violine) und Frau Denisenko (Klavier), die durch ihre Musik das Plenargespräch verschönert haben.             

Ingrid Grasreiner